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 Marc Remus

  Children's Book Author

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Leseproben

Bitte gewüschtes Buchcover anklicken, und das erste Kapitel lesen!

over of German anthology "Sterbenslustige Geschichten und Gedichte" by authors Marc Remus and Nadja Losbohm


 

DAS ANTIQUITÄTENGESCHÄFT

von Marc Remus


Versteckt in der Altstadt, ganz weit hinten,
da konnte man Opas Geschäft kaum finden.
Antiquitäten vertrieb er dort.
Es war für mich ein magischer Ort.


Antike Schränke, Stühle und Bilder,
bemalte Kommoden, bunt emaillierte Schilder
verkaufte er dort an die Betuchten,
die alle ein Stück Geschichte suchten.


Unter dem ganzen Zeug da stand, 
ganz hinten an der letzten Wand,
auf einem Regalbrett gut platziert, 
eine Schatulle fein ziseliert.


Und jeden Abend um halb acht
verschwand sie dann die ganze Nacht.
Mein Opa nahm sie mit zum Schlafen,
beim Öffnen würd’ er mich bestrafen.


Doch eines Tages, ich konnt’ nicht mehr,
ich öffnete sie, es war nicht schwer.
Und eines war mir da gewiss:
Drinnen war nur Opas Gebiss.


Was Neugier doch mit einem macht,
mein Opa hätte wohl gelacht.
Wenn einer was verstecken will,
dann lass ihn doch und schweige still.

DER VAMPIREGEL VON BERLIN

von Marc Remus

An einem See in Schönefeld
da lebte ein Egel in seiner Welt.
Er saugte und saugte mit viel Genuss
den letzten Tropfen bis zum Schluss.


Ein kleiner Vampir mit vielen Zähnen.
Den Opfern dagegen liefen die Tränen,
wenn er sie biss und saugte aus.
Es war ein wunderbarer Schmaus.


Im Wasser lag er auf der Lauer
mit seiner Saugkraft voller Power
und wartete auf warmes Blut. 
Das tat ihm wirklich richtig gut.


Doch eines Tages, die Stadt wollte bauen
und so das Gebiet des Egels versauen.
Ein großer Flugplatz sollte her.
Die Stadt Berlin, sie freute sich sehr.


Der Egel dagegen war ziemlich sauer, 
und ihn überkam die große Trauer.
Sein Heim er würde bald verlieren,
zusammen mit all den and’ren Tieren.


Der Flughafen würde schnell entsteh’n. 
Der Egel konnt’s längst vor sich seh’n.
Kein Platz mehr wäre für ihn da.
Er schon sein Ende vor sich sah.


Ein Egel, der gibt niemals auf,

auch wenn er gar nicht ist gut drauf.
So plante er in seinem Teich,
denn schützen wollte er sein Reich.


Was könnt’ er jetzt wohl noch erreichen,

bevor sein Teich dem Bau würd’ weichen.
Er sprach mit Tieren drumherum.
Die Planung kam dann voll in Schwung.


„Die Menschen müssen wir verschrecken,
damit sie uns nicht schnell entdecken“,

sagte das Wildschwein voller Wut.
„Ich möchte sehen deren Blut.“


„Sie haben Angst vor vielen Dingen.
So sollte es uns doch gelingen,

die Menschen in die Flucht zu schlagen,
wenn sie einen Angriff wagen“,
sprach die Eule, stark und weise, 
heulte danach still und leise.


„Manchmal sie glauben, ich sei ein Vampir
und so gar kein nächtliches Flattertier“,
fügte die Eule sogleich noch hinzu.
Dem Egel kam eine Idee im Nu.


„Angst vor Vampiren is’ echt jut.
Ick saug oft nämlich ooch jern Blut“,
sagte der Egel voller Glück.
„Ab jetzt jibt’s keenen Weg zurück.“


Ein guter Plan wurd’ nun gemacht.
Sie arbeiteten die ganze Nacht
an jedem Detail bis hin ins kleinste.
Der Plan, der wurde der allerfeinste.


Und schließlich war es dann so weit.
Die ganze Tierwelt war bereit.
Sie wollten jetzt kämpfen für die Sache
und zeigen dem Menschen ihre Rache.


Dann schickte die Stadt Berlin ihre Leute.
Sie ahnten so nichts von der Tieresmeute,
die ruhig lauerte dort im Wald.
Der Vampir, der käme schon recht bald.


Ein Komitee von dreizehn Mann
betrat den Forst und fing gleich an,
jeden Meter genau zu vermessen.
Sie haben die Zeit so ganz vergessen.


Plötzlich war’s dunkel, fast schon Nacht,
und keiner hatte dran gedacht,
eine Taschenlampe mitzubringen
neben Zollstock und anderen Dingen.


Die Eule mit zehn Artgenossen,
sie waren jetzt bereit und schossen
auf die Menschen gleich hinab.
Jetzt ging es wirklich richtig ab.


Die Menschen schrien und rannten weg.
Jedoch es hatte keinen Zweck,
denn der Weg war schnell blockiert.
Das Komitee war voll schockiert.


Vor ihnen stand ein Rudel von Schweinen,
die grunzten und scharrten mit den Beinen.
In Richtung Teich die Menschen gejagt.
Keinen and’ren Weg sie hätten gewagt.


Als das Ufer war erreicht,
war der Plan ganz kinderleicht.
Die Eulen griffen von hinten an.
Die Menschen stolperten rückwärts dann.
Hinter jedem stand ein Schwein.
Ab ging’s sofort ins Wasser rein.


Der Egel rief: „Jetzt bin ick dran!
Leut’, macht euch an die Menschen ran.“
Die Egel schossen von überallher,
denn Menschblut genossen sie sehr.


Der Hals, der war ihr Lieblingsziel,
auch wenn dem Mensch es nicht gefiel.
An jedem Nacken floss das Blut.
Den Egeln tat es richtig gut.


So satt und voll mit rotem Saft,
der ihnen hat viel Kraft verschafft,
vom Nacken glitten sie dann fort
an einen dunklen, stillen Ort.


Die Menschen flohen aber flott, 
und eine Frau flehte zu Gott,
dass er ihr schleunigst helfen solle.
Ein Vampir hätt’ gebissen sie ganz dolle.


Benommen noch vom Blutverlust,
den Tathergang nicht mehr gewusst,
sie fuhren schnell nach Berlin Mitte
mit einer ganz bestimmten Bitte:


Der See, den sollte jeder meiden,
ein Bau würd’ furchtbar drunter leiden.
Vampire dort im Dunklen hausen.
Sich jedermann würd’ davor grausen.  


Im Rathaus wurde nachgedacht.
Wenn so etwas noch Schule macht,
dann hat die Stadt ganz große Sorgen.
Zerstört den Flugplatzplan von morgen. 


So ein Gerücht darf nicht entstehen.
Auf Nummer sicher wollt’ man gehen. 
Und so verkündigte die Stadt, 
das Geld, das wäre doch sehr knapp.


Man müsste noch mal alles planen.
Die Stadt, die wolle nicht verarmen.
Und so verschob man dann den Plan.
Die Ausrede war doch ziemlich lahm.


Vierzehn Jahr’ lang ging so die Leier.
Erst dann folgte die Einweihungsfeier.
Der Flugplatz wurde zur Ikone,
ein Großprojekt, das sich nicht lohne.


Doch lustiger wär’ es gewesen,
wenn man bei Bild hätte gelesen:
Viel Ärger macht ein Vampir vor Ort,
man sollte erst gar nicht bauen dort.


Wäre die Wahrheit rausgekommen, 
man das Projekt hätt’ gleich begonnen.
Denn ’nen Vampir, den gab es nicht. 
Die Stadt, die ist wohl nicht ganz dicht.


Der wahre Grund kam niemals raus.
Des Egels Leben noch nicht aus.
So wohnte er weiter in Schönefeld 
in seiner harmonischen Wasserwelt.
Bis er dann alt und glücklich starb
an einem strahlend blauen Tag.


Der Egel war gar kein Vampir
oder ein wildes, starkes Tier.
Hätte die Stadt das bloß gewusst,
sie nicht gelogen bis zum Schluss.


Traut man Politikern stets blind, 
wird man schnell zum Narrenkind. 
Drum schalte selbst den Kopf mal ein, 
denn Lügen können teuer sein.

Sterbenslustige Geschichten & Gedichte Morbide und Amüsant
 

Gedichte von Marc Remus
Geschichten von Nadja Losbohm

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